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Tuberculinum bovinum Nos. Kasuistik

Tuberculinum bovinum Nos.
Kasuistik von Reinhard Flick

Tuberculinum bovinum Nosode
von Dr. Reinhard Flick

 

=> Nadja G., geb. 4.1.2001, Diagnose: Schlaf- und Entwicklungsstörung

Erstordination 15.3..2001

Seit ihrer Geburt leidet Nadja unter Schlafstörungen. Vor dem Einschlafen ist sie sehr zappelig, unruhig und nervös. Sie ballt ständig die Fäuste und schlägt die Daumen ein. Wenn sie endlich einmal eingeschlafen ist, schreckt sie bald wieder ängstlich aus dem Schlaf hoch. Sie will auch nicht gehalten werden. Es ist ihr angenehmer, wenn sie flach hingelegt und zugedeckt wird. Auch tagsüber erlebt die Mutter sie angespannt und verkrampft.

Nadja ist ein gewolltes Kind. Ihre Mutter hatte vor ihr eine Fehlgeburt gehabt und erlebte ihre Schwangerschaft als schön. Nur im 8. Schwangerschaftsmonat kam es zu einem Ereignis in der Familie, das sie bedrückte: ein Onkel wollte seine Frau ermorden. Die Geburt war spontan und schnell. Nach der Geburt schrie Nadja die erste Nacht durch. Eine Kinderschwester meinte daraufhin, etwas sei mit dem Kind nicht in Ordnung, was die Mutter sehr beunruhigte. Sie litt daraufhin unter einer schweren Wochenbettsdepression.

Nadja trinkt viel, schwitzt stark am Kopf, leidet zeitweise unter Verstopfung: der Bauch ist gebläht, viele Winde, sie muß angestrengt pressen, bis der (weiche) Stuhl kommt.

Sie wirkt auch auf mich angespannt, ihr Gesichtsausdruck gequält, leidend und deutlich alt aussehend. Ich fühle mich von diesem kleinen Menschenkind und seinem Bündel, das es in sein Leben mitbringt, tief berührt. In mir denke ich: „Welche Last hast Du auf Deinen Lebensweg mitbekommen?" Als sie so vor mir liegt auf der Untersuchungsliege, kann ich es mir nicht verwehren, diese Gedanken auch auszusprechen und zu ihr zu sagen: „Das Leben kann doch auch schön sein!".

Zu meinem Erstaunen bricht sie auf diesen Satz in ein massives Brüllen aus, läßt sich nicht mehr beruhigen. Sie schreit bis zum Verlassen meiner Ordination durch. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis sie sich wieder beruhigt hat.

Solche Begegnungen sind auch in meiner Ordination selten. Wenn ich spüre (oder zu spüren glaube) daß ein Mensch (in diesem Alter) schwer an dem zu tragen hat, was er in sein Leben mitbekommen hat.

 

Nun zur Arzneifindung:

Die beiden auffälligsten Symptome waren für mich:

  • Der alte Gesichtsausdruck
  • Das Schreien bei Kindern

Zwei Symptome, die typisch für Nosoden sind.

Wenn man das Auffahren im Schlaf, die Schlaflosigkeit bei Kindern, die ängstliche Ruhelosigkeit und die nach innen gezogenen Daumen mit einbezieht, stehen Arsen, Calcium carbonicum und Syphilinum (das allerdings nur die beiden Hauptsymptome deckt) zur Auswahl. Die Intensität und Tiefe des Zustands ließ mich primär an eine syphilitische Arznei denken: also Arsen oder Syphilinum.

Aus Scheu vor Syphilinum (mit dem ich schon einige Male gravierende und langanhaltende Verschlimmerungen erlebt hatte) gab ich Arsen C200 den Vorzug. Es kam zu einer etwa 2-wöchigen teilweisen Besserung (sie schlief fast durch) mit darauffolgendem Rückfall in den bekannten Zustand.

24.4.01: Syphilinum C200

2 Wochen lang ändert sich nichts. Dann schläft sie von einem Tag auf den anderen gut. Sie ist auch tagsüber gut aufgelegt, nicht mehr verkrampft, viel lockerer, lacht viel. Auch der Stuhl ist jetzt problemlos. Sie ist freundlich, ein gut gelauntes Kind, bei der nächsten Konsultation lacht sie mich an.

 

24.7.02: Es geht ihr weiter gut: keine Schlaf- und Stuhlprobleme. Sie ist ruhig, fröhlich, lacht viel. Aber jetzt ist sie ängstlich vor allem Neuen, man muß alles langsam machen. Trotz ihres Alters geht sie immer noch nicht allein. Sie traut sich nicht loszulassen. Sie schwitz weiter viel am Kopf, auch im Schlaf.

 

Bemerkung:

Nachdem Nadja durch Syphilinum die „Sphäre der Nosode (das Syphilitische)" verlassen hat, tut sich nun eine völlig andere Symptomatik auf, die klar der Psora entspricht und durch Calcium carbonicum, das schon in der ersten Differentialdiagnose aufgetaucht war, perfekt gedeckt wird.

Vom Prognostischen her haben wir hier einen Verlauf von der tieferen, bedrohlicheren, „schwereren" Störung hin zu einer typischen (man möchte fast sagen „alltäglichen") vor uns. Also eine günstige Entwicklung.

Calcium carbonicum C200

 

22.10.02 2 Tage später ging sie allein. Sie ist jetzt im Kindergarten. Sie ist jetzt weniger ängstlich, aber weiter vorsichtig. Sie braucht etwas Zeit. Der Kopfschweiß ist viel besser, auch bei Fieber. Seit dem Kindergarten hat sie öfter Infekte, hatte auch Angina. Seit einigen Monaten liegt sie oft in Knie-Ellbogenlage. Sie ißt gerne Salziges, Geräuchertes und warme Milch. Kaum mehr Ängste.

Sie hat großes Verlangen nach frischer Luft, will raus ins Freie, aber die Augen tränen im Wind.

Tuberculinum bovinum FC10M

 

Bis hierher ein kurzer Ausschnitt einer homöopathischen Begleitung einer jungen Erdenbürgerin. 2x hat sich das Symptomenbild total geändert und damit eine andere Ebene der Beschwerden implizierend eine andere homöopathische Arznei angezeigt.

Ps: Ich möchte in diesem Zusammenhang noch auf ein Thema eingehen: Die anthroposophischen Ärzte lehnen nach meinem Wissen Hochpotenzen ab, da sie befürchten, damit das „Karma" (Ausdruck aus dem Indischen: übersetzt etwa „Schicksal" in einem kurzen Wort, oder „was wir in unser Leben mitbekommen haben, um es zu bewältigen/verwirklichen,..") zu beeinflussen.

Ich denke, daß im oben beschriebenen Fall sehr wohl das „Karma" durch die Arznei Syphilinum beeinflußt wurde. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, daß dies zum Nachteil der Patientin geschehen sein könnte.

Zu diesem Punkt würde mich die Sichtweise anthroposophischer Ärzte (etwa in Form eines Leserbriefs) sehr interessieren.