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Baptisia

Baptisia
Arzneimittelbild von Christoph Weihe

Revision des Arzneimittelbilds nach Masi-Elizalde

A. PRIMÄRE PSORA

 

Leitmotiv

In einem bekannten Witz treffen sich zwei Bekannte. "Wie geht┬┤s?" fragt der eine. Darauf sagt der andere: "Na ja - meine Leber spielt verr├╝ckt, mein Kopf brummt, meine Nieren geben den Geist auf und auch ich f├╝hl mich nicht besonders." Von einer vergleichbaren Komik ist das Symptom des Baptisia-Pr├╝fers, der glaubt, seine gichtigen Gelenke unterhielten sich quasi hinter seinem R├╝cken miteinander. Dieses Symptom vermittelt einen Eindruck davon, wie Baptisia in der Pr├╝fung wirkt: Es ist ja so, dass jeder sich bei seinen allt├Ąglichen Vollz├╝gen und Abl├Ąufen als ein in sich geschlossener Handelnder f├╝hlt. Dieses hintergr├╝ndige Gef├╝hl inniger Verbundenheit in den Handlungen ist aber eher intuitiv, nicht so sehr bewusst pr├Ąsent. D.h. bei jeder Gelegenheit, v.a. aber im Krankheitsfall, kann dieses Gef├╝hl innerer Koher├Ąnz ersch├╝ttert werden: das kranke Glied (z.B. das gichtige Gelenk) scheint aus dem Organverband auszuscheren oder es stellt sich ein ungutes Gef├╝hl der Fremdheit gegen├╝ber einem Zug der eigenen Pers├Ânlichkeit ein. Dieses Baptisia-typische Krankheitsgef├╝hl besteht zum guten Teil aus dem Desintegrationsmoment des leidenden Leibbereiches, welches aus dieser Abspaltung resultiert. Leitmotivisch f├╝r Baptisia ist also das Leiden an mangelnder Verbundenheit und Geschlossenheit, bzw. die f├╝r den Menschen grundlegende Dialektik von psychisch-physischer Zerst├╝ckelung oder Ganzheit.

 

Transzendenter Wert

Gott ist nicht zusammengesetzt, sondern Einer. Er besteht nicht aus einer Vielheit von Teilen, die zu einer Einheit komponiert werden, sondern ist im h├Âchsten Masse einfach und unteilbar.
Gott hat keine Vollkommenheiten an sich, die ihn von anderen Vollkommenheiten unterscheidbar machen w├╝rden. W├Ąre dies anders, w├╝rde ihm die Vollkommenheit, die den Unterschied macht, mangeln. Da er also alle Vollkommenheit in sich (ontologisch) eint, ist er ununterscheidbar einfach.

 

Menschliche Daseinsbedingung

Menschen treffen Entscheidungen, indem sie Unterschiede machen: Was hat das eine Ding, was das andere nicht hat ? Das Analysieren hat immer zu tun mit dem Auffinden von Kriterien, mit der Aufteilung eines komplexen Dings in seine abw├Ągbaren Bestandteile, so dass verschiedene Dinge miteinander vergleichbar werden. Entscheiden bedeutet auch: unterscheiden. Es geh├Ârt wesentlich zu den menschlichen Vollz├╝gen, Zusammengesetztes in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Plato vergleicht diesen Vorgang einmal mit dem sinnvollen Zerlegen eines Tieres l├Ąngs seiner anatomischen Grenzen durch einen Koch.
Das hei├čt aber, dass die intuitive Einheit der menschlichen Vollz├╝ge immer gef├Ąhrdet ist. F├╝r den historischen Umstand, dass die Einheit des Ich in der (Post-) Moderne auseinander f├Ąllt, wird gerne Rimbauds Formel zitiert: "Je - c┬┤est un autre."
In der Psychoanalyse des J. Lacan findet man die Phantasie des zerst├╝ckelten K├Ârpers (corps morcel├ę) in enger Entsprechung zur "wahnhaften Identit├Ąt" des Ich. Die Phantasie des zerst├╝ckelten K├Ârpers ist eine aktivierte Erinnerung an das sehr fr├╝he Gef├╝hl des S├Ąuglings und seiner k├Ârperlichen Verwirrung. Der K├Ârper erscheint in seinen Einzelteilen ├╝berall verstreut und die mit dieser Erinnerung verbundene Angst l├Âst das Begehren aus, Besitzer und Bewohner eines sicheren "Ich" zu sein. Einerseits wird das projizierte "Ich" immer wieder vom r├╝ckw├Ąrtsgewandten Zug zur Fragmentierung bedroht. Andererseits kann gerade die Rigidit├Ąt des gepanzerten Ich als Gewalt angesehen werden und dazu f├╝hren, dass das Individuum seine Einzelteile wieder ├╝berallhin verteilt. Ob das Subjekt nach vorn zum Ich oder zur├╝ck zum corps morcel├ę blickt- immer betrachtet es die gleiche Phantasiekonstruktion. Was zerf├Ąllt, ist nicht der reale K├Ârper oder ein physischer Organismus, sondern vielmehr ein "heteroklites Mannequin, eine barocke Puppe, eine Gliedertroph├Ąe". Lacan bezieht sich mit diesen bizarren Worten auf die Figur des Professor Spalanzani, eine verr├╝ckte Gestalt aus E.T.A. Hoffmanns Erz├Ąhlung "Der Sandmann".

 

Fokus der inneren Aufmerksamkeit

Im Zentrum des Erlebens steht bei Baptisia die Furcht vor der Aufl├Âsung der Einheit, die ein existierendes Ding zusammenh├Ąlt.
Was macht aus einer Vielzahl von Teilen ein einheitliches Ding mit einer wiedererkennbaren und trotz allen Variationen im wesentlichen gleichbleibenden Gestalt? Baptisia f├╝rchtet, dass allein das Betonen eines Details oder Aggregats die Ganzheitlichkeit eines zusammengesetzten Dings zerst├Ârt.

 

Kerne

Schuld
Baptisia glaubt, dass das Band, welches verschiedene Teile zu einem einheitlichen und zusammenh├Ąngenden Ding verbindet, zu unbest├Ąndig sei. F├╝r ihn ist das Ganze eben n i c h t mehr als die Summe seiner Teile.

 

Verlust
Er verliert die Wahrnehmung f├╝r das, was ein Ding im wesentlichen zusammenh├Ąlt, was es einheitlich durchgestaltet und ausformt. Er verpasst dasjenige, was dieses Ding als einzelnes unterscheidbar von anderen macht. Er f├╝hlt sich zerrissen oder wie in einem Aufl├Âsungsprozess. Er kann keine abgeschlossenen Einheiten erkennen. Die Gedanken schweifen, es gibt keinen verbindenden Gesichtspunkt. Die Dinge zerfallen zu beziehungslosen Anh├Ąufungen.

 

Strafe
Da er nur Bruchst├╝cke vorfindet, die er nicht zu einem Ganzen f├╝gen kann, vermag er nichts abzuschlie├čen. Er ist ruhelos und getrieben. Die Welt ist ein heilloses Puzzle, nichts passt zueinander. Angst davor, dass seine Pers├Ânlichkeit zerf├Ąllt.

 

B. THEMEN

Hauptthemen
Die Hauptthemen sind Verbindung und mangelhafter Zusammenhang.

1. Ged├Ąchtnis
sehr genaue Erinnerung an das, was er gelesen hat. #A 13#
Unf├Ąhigkeit, sich wie gew├Âhnlich Dinge zu merken. #A 14#

 

2. Verwirrtheit
Kann seinen Geist nicht eingrenzen, eine Art wildes, schweifendes Gef├╝hl. #A 8, He 1.4#
Der Geist scheint eher schwach als verwirrt. #A 9#
Unt├Ątiger Geist. #A 10#
Unaufgelegt zum Denken, mangelnde Denkkraft. #A 11#
Stumpfes, dummes Gef├╝hl nach dem Fr├╝hst├╝ck. #A 12#
Verwirrtes Gef├╝hl im Kopf. #A 15#
Leicht verwirrtes Gef├╝hl im Gehirn. #A 16#
Stumpfheit im Kopf. #A 17#
Ein wenig Stumpfheit im Kopf. #A 18#
Leichte Stumpfheit des Gehirns, den ganzen Tag. #A 20#
Stumpfes und dummes Gef├╝hl ├╝ber den ganzen Kopf, mit starken Schmerzen im Hinterkopf. #A 21#
Verwirrung der Gedanken; verwirrt als ob er betrunken w├Ąre. #He 1.3#

 

3. Delirium
fiebrige Erregung des Gehirns, wie der Anfang eines Fieberdeliriums gr├Â├čeren Ausma├čes. #A 2#
Eine Art Erregung des Gehirns, wie sie einem Delirium vorausgeht oder eher noch dessen Anfang bildet; wenn das Fieber andauert und zu gro├čer Intensit├Ąt steigt, pflegt dies bei ihm niemals auszubleiben. #A 3#
Bewusstlosigkeit. #He 1.1#
Stupor; schl├Ąft ein, w├Ąhrend mit ihm gesprochen wird oder er antwortet; schwerer Schlaf bis zum Aufwecken; wacht nur auf, um mitten in seiner Antwort, die er vergeblich zu beenden sucht, wieder in Schlaf zu sinken. #He 1.2#
Delirium, vor allem nachts oder anhaltend, still, Stupor. #He 1.11#
Delirium und unzusammenh├Ąngende Rede. #He 1.12#
Delir├Âser Stupor oder schweres Delirium. #He 1.13#

 

4. Z├╝gel
Tr├Ąumt, mit einer Kette ├╝ber den Mund niedergebunden zu sein. #A 350#

 

5. Schnee
Nachts zwei oder drei Stunden geschlafen, tr├Ąumt von harter k├Ârperlicher Arbeit im tiefen Schnee, leidet unter der Hitze der Anstrengung, wird schlie├člich im Schnee erstickt. #A 351#

 

6. Teilung
Kann nicht einschlafen, weil er sich nicht sammeln kann. #He 1.5#
Gef├╝hl, als ob ein zweites Selbst au├čerhalb des Patienten w├Ąre. #He 1.6#
F├╝hlt sich ├╝berall verstreut und wirft sich umher, um die Teile zusammen zu bekommen. #He 1.7#
Er denkt, seine Beine w├╝rden miteinander Konversation betreiben. #He 1.8#
Er denkt, seine Gichtzehe w├╝rde gem├╝tlich mit seinem Gichtdaumen plaudern. #He 1.9#
Schlimmer beim Denken an die Schmerzen in verschiedenen K├Ârperteilen. #He 1.23#
Kann nicht schlafen, Kopf oder K├Ârper f├╝hlen sich an wie ├╝ber das ganze Bett verstreut, er wirft sich umher, um die Teile zusammen zu bekommen. #He 37.16#
Als ob ein zweites Ich da w├Ąre; wie verstreut; (...) als ob der Scheitel wegfliegen w├╝rde (...) #He 43#
Allgemein m├╝de, zerschlagenes, krankes Gef├╝hl in allen K├Ârperteilen, f├╝hlt sich jedoch nicht sehr schlecht. #A 303#

 

7. Schweifende Gedanken
Geist schweift umher, sobald die Augen geschlossen sind. #he 1.10#
Vollkommene Gleichg├╝ltigkeit, k├╝mmert sich nicht darum, irgend etwas zu tun, Unverm├Âgen, den Geist auf irgend etwas zu konzentrieren. #He 1.18#
Kann seinen Geist nicht eingrenzen, eine Art wildes, schweifendes Gef├╝hl. #A 8, He 1.4#
Schlaflos mit schweifenden Gedanken. #He 37.14#

 

8. Ruhelos
Geistig ruhelos, aber zu leblos, um sich zu bewegen. #He 1.20#
Ruhelos und delir├Âs w├Ąhrend drei Wochen. #He 1.21#
Ruhelosigkeit. #He 36.1#
Ruhelosigkeit, unwohl, kann sich auf nichts konzentrieren; wollte sich von einer Stelle zur andern bewegen; abends. #He 36.3#
F├╝hlt sich schl├Ąfrig und benommen, legt sich nieder zum D├Âsen, aber die Beine fangen pl├Âtzlich an zu zucken, als ob er erschreckt worden w├Ąre. #He37.6#
Hat bis drei Uhr gut geschlafen, dann unruhig bis am Morgen mit Umherwerfen. #He 37.10#
Unruhig, schlief nicht ruhig. #He 37.11#
Schlaf unruhig, h├Ąufiges Erwachen. #He 37.12#
Will aufstehen und will es doch nicht. #He 37.13#
Schlaflos mit schweifenden Gedanken. #He 37.14#
Unruhig mit angstvollen Tr├Ąumen. #He 37.18#
Schlaf unruhig und durch Tr├Ąume gest├Ârt, aber unf├Ąhig, sich an die Tr├Ąume zu erinnern, ersch├Âpft wie von zu wenig Schlaf. #He 37.18#
Schlaf letzte Nacht unruhig, Umherwerfen, gest├Ârt von anhaltenden Tr├Ąumen, die bis zum Aufwachen dauern, trotzdem ist er unf├Ąhig, sie zu erz├Ąhlen oder sich gar an den Inhalt zu erinnern. #He 37.20#
#vgl. He 37.17, 19, 21, 22, A 295, 296#

 

9. Sprache
Stupor; schl├Ąft ein, w├Ąhrend mit ihm gesprochen wird, oder er antwortet; schwerer Schlaf bis zum Aufwecken; wacht nur auf, um mitten in seiner Antwort, die er vergeblich zu beenden sucht, wieder in Schlaf zu sinken. #He 1.2#
Er denkt, seine Beine w├╝rden miteinander Konversation betreiben. #He 1.8#
Er denkt, seine Gichtzehe w├╝rde gem├╝tlich mit seinem Gichtdaumen plaudern. #He 1.9#
Heiserkeit oder Aphonie. #He 25.1#
Kehlkopf sehr empfindlich gegen Ber├╝hrung, Schlucken oder Sprechen schmerzhaft. #He 25.3#
Heiserkeit, muss sich anstrengen, um verstanden zu werden. #He 25.4#
Zunge geschwollen, dick, erschwert das Reden. #He 11.3#
#vgl. He 25.2, 37.8#

 

10. Zweifelt an der Genesung
Hoffnungslos wegen seiner Genesung, Gewissheit seines Todes. #He 1.19#

 

11. Abort
F├╝rchtet einen Abort. #He 24.1#
Drohender Abort. #He 24.2#

 

12. Schmerz durch Druck
Jedesmal wenn er aus einem Alptraum erwacht, sind die Teile, auf denen er gelegen hat, au├čerordentlich schmerzhaft, v.a. Sakrum und H├╝ften. Nachdem er nicht l├Ąnger als zehn Minuten auf dem R├╝cken gelegen hatte, wurde die Sakralregion unertr├Ąglich schmerzhaft, als ob er die ganze Nacht auf dem nackten Boden gelegen h├Ątte, was zur ├ťberzeugung f├╝hrt, dass nur kurze Zeit in der gleichen Position zu verweilen, Wundliegen verursachen w├╝rde; nachdem er sich auf eine der beiden Seiten drehte, trat das gleiche Gef├╝hl an den H├╝ften auf, was ihn schlie├člich zwang, sich aufs Gesicht zu legen, um die anderen Teile zu erleichtern. #A 323#
Unertr├Ąglichkeit von Druck an allen Teilen, auf die Druck ausge├╝bt worden ist; kann sich nicht ohne Schmerzen im R├╝cken an den Stuhl zur├╝cklehnen; ist gezwungen, seine Sitzposition aus dem gleichen Grund alle paar Minuten zu wechseln; sogar die F├╝sse sind in gleicher Weise schmerzhaft, wenn er sie auf den Boden stellt. #A 324#

 

13. Augen nicht ganz offen
Teilweise L├Ąhmung der Augenlider, es f├Ąllt sehr schwer, sie offen zu halten. #A 86#
Schwindel mit L├Ąhmung der Augenlider. #He 2.3#
Schlaftrunken, benommen, m├╝des Gef├╝hl, Disposition zu halboffenen Augen. #He 37.4#

 

14. Schw├Ąche und Ersch├Âpfung
Unaufgelegt zum Denken, Mangel an Kraft, der Geist scheint schwach. #He 1.15#
Abneigung gegen geistige oder k├Ârperliche Anstrengung, oder Gespr├Ąchen ├╝ber Krankheiten und Verletzungen zuzuh├Âren, schw├Ąchlicher Geist und gereizt. #He 1.16#
Stumpfes, schweres Gef├╝hl im ganzen K├Ârper mit Gleichg├╝ltigkeit gegen alles. #He 36.4#
Allgemein schwaches Gef├╝hl, vor allem in den Beinen. #He 36.6#
F├╝hlt sich schwach, zittrig, als ob er sich von einer Krankheit erholen w├╝rde, jedoch unf├Ąhig zu energischer geistiger oder k├Ârperlicher Anstrengung. #He 36.7#
Schwaches, l├Ąhmiges Gef├╝hl im ganzen K├Ârper (vor allem in den Armen, breitet sich zu H├Ąnden und Fingern aus), ist kaum f├Ąhig, w├Ąhrend des Schreibens einen Bleistift zu halten, was verursacht, dass er sich schlaffer f├╝hlt als ein alter Lappen; vollkommene Gleichg├╝ltig; kein Verlangen, irgendetwas zu tun. #He 36.9#
F├╝hlt sich schwach und gel├Ąhmt, wund und zerschlagen, vor allem Arme und Waden sind wund, wenn er die Treppe hinuntergeht. #He 36.10#
F├╝hlt sich nach wenig Arbeit schwach und ersch├Âpft, schnell erm├╝det. #He 36.11#
F├╝hlt sich schwach und zittrig wie nach einer schweren Krankheit. #He 36.12#
Grosse Mattigkeit, will sich niederlegen. #He 36.14#
Grosse Ersch├Âpfung der Kraft wie w├Ąhrend der Rekonvaleszenz von einer schweren Krankheit, die durch starke Drogen oder Arzneien behandelt wurde. #He 36.20#
Unbeschreiblich krankes Gef├╝hl ├╝berall. #He 36.21#
Gleitet im Bett hinab, f├╝hlt sich, als ob er wegsinken w├╝rde. #He 36.22#
Nach dem Gehen ein Gef├╝hl von ziemlich schmerzhafter M├╝digkeit im R├╝cken und im rechten Bein, rechter Schulter und Arm. #A 301#
Schmerzhafte M├╝digkeit der ganzen linken K├Ârperseite nach einer Stunde. #A 302#
Gef├╝hl von Schw├Ąche im ganzen System, vor allem in den Beinen, mit schwachen Knien und Schwindel. #A 310#
Gef├╝hl von gro├čer Ersch├Âpfung mit Hitzewallungen vom unteren R├╝cken in alle Richtungen. #A 312#
#vgl. He 36.5, 8, 13, 15-19, A 298, 299, 300, 303-309, 311#

 

15. Hilflos nach Ber├╝hrung
F├╝hlt sich benommen w├Ąhrend er in einem Stuhl sitzt, den Kopf auf die Arme auf den Tisch gelegt (d├Âsend, aber bei Bewusstsein); Gef├╝hl, als ob ihn jemand ganz sachte auf beiden Seiten ber├╝hrt h├Ątte; gefolgt von Kraftlosigkeit, um sich aufzusetzen; mehrere Versuche dazu, ist aber v├Âllig hilflos; nach kurzer Zeit ein ├Ąhnlicher Anfall von gleicher Dauer, aber noch st├Ąrker; f├╝hlt sich einige Zeit danach noch schwach. #He 377#

 

16. Schwere des Kopfes
Kopf f├╝hlt sich schwer an, als ob er nicht aufrecht sitzen k├Ânnte, Tag und Nacht, ein wildes Gef├╝hl verursachend, schlimmer von L├Ąrm. #He 3.2#
Kopf f├╝hlt sich gro├č und schwer an, mit einem tauben Gef├╝hl von Kopf und Gesicht; Stiche oder Schl├Ąge in verschiedenen Teilen des Kopfes. #He 3.4
Stumpfe, schwere, dr├╝ckende Kopfschmerzen. #He 3.5#
Stumpfer, schwerer Schmerz im Kopf, vor allem Stirn und Backenknochen, heisse Ohren, aber kalt zum Anfassen; Kopf f├╝hlt sich geschwollen an; taumelig, als h├Ątte er Alkohol getrunken, schlimmer beim Gehen #He 3.6

 

17. Vergr├Â├čerung(sgef├╝hl)
Gef├╝hl, als ob der Kopf schwellen w├╝rde (langsam gr├Â├čer und gr├Â├čer werdend), mit Schmerz an der Insertion des Sternokleidomastoideums, begleitet von einem Gef├╝hl, als ob der Kopf hinter dem rechten Ohr geschwollen w├Ąre. #He 4.4#
Zunge geschwollen, dick, erschwert das Reden. #He 11.3#
H├Ąnde f├╝hlen sich gro├č an, zittrig. #He 32.9#

 

18. Kann nur Fl├╝ssigkeit schlucken
Kann nur Fl├╝ssigkeiten schlucken, W├╝rgen bei der geringsten festen Speise. #He 13.20#
Kinder k├Ânnen keine feste Speise schlucken; die kleinste feste Substanz ruft W├╝rgen hervor, deshalb k├Ânnen sie nur Milch zu sich nehmen; manchmal d├╝nne, w├Ąssrige, ├╝belriechende Durchf├Ąlle Tag und Nacht. #He 13.21#

 

19. Harte Substanz
Schmerzen im Bauch, Gef├╝hl wie von einer harten Substanz. #He 17.11#

 

20. Hartes Bett
F├╝hlt sich, als ob er auf einem Brett liegen w├╝rde, wechselt oft seine Stellung, das Bett f├╝hlt sich sehr hart an; am schlimmsten in der Sakralregion. #He 31.8#

 

21. Streit und Triumph
Tr├Ąumt die ganze Nacht, triumphiert ├╝ber alle Gegner. #A 347#
Tr├Ąumt vom K├Ąmpfen und Wortgefechten, dabei kommt er immer am besten weg. #A 348#

 

C. MIASMATISCHE DYNAMIK

Sekund├Ąre Psora

Abgeleitetes Bild
Der psorische Baptisia-Mensch betont die Geschlossenheit einer jeden Sache. Ängstlich achtet er auf das Wesentliche. Das geht dann auf Kosten des einzelnen Details, da besondere Merkmale sich dem formalen Zwang der Einheit unterwerfen müssen. Baptisia sorgt dafür, dass nichts aus der Reihe tanzt. Weil er um den inneren Zusammenhalt fürchtet, betrachtet er die Welt eher holzschnittartig, Abweichungen werden begradigt, damit alles widerspruchsfrei in e i n Bild passt. Er vermeidet Streit mit dem Hinweis, dass doch grundlegende Interessen für alle gelten.
Die Angst vor der Zerst├╝ckelung ist eindrucksvoll in den Gem├Ąlden von Hieronymus Bosch festgehalten. Seine H├Âllenbilder haben eine in Zellen zerfallende Struktur. Wie in einem Mosaik werden Szenen zusammengef├╝gt. "Bilder der Kastration, Entmannung, Verst├╝mmelung, Zerst├╝ckelung, Verrenkung, Ausweidung, des Verschlingens und des Aufplatzens der K├Ârper", so J. Lacan. Miteinander verbunden sind diese Bilder nicht durch eine ├╝bergreifende Erz├Ąhlung oder eine thematische Klammer, sondern sie Bilden ein Zusammenspiel fragmentaler Motive.
Die Angst vor der Zerst├╝ckelung finden wir "gebannt" in Riten der T├Ątowierung, den Hautinzisionspraktiken der "Primitiven" oder der Beschneidung. In der Moderne leben solche aggressiven Praktiken fort in der Unterwerfung unter die "prokrusteische Willk├╝r" der Mode und ihre Martern.

Sekund├Ąrpsorische Symptome
F├╝hlt sich in kleine St├╝cke geteilt und wie durcheinandergew├╝rfelt, er kann die Teile nicht passend zusammenf├╝gen; seine gichtigen Gelenke und seine Beine konferieren miteinander; Gef├╝hl, es gebe ein zweites Selbst; Gef├╝hl, eine Person ber├╝hre ihn und er verliere seine Kraft; kann sich nicht fassen und findet darum keinen Schlaf; Verschlechterung, wenn er an die Beschwerden in den verschiedenen K├Ârperbereichen denkt; er kann den Gedanken nicht auf etwas fixieren und bringt die S├Ątze nicht zu Ende; wie geknebelt und gefesselt; Angst, trotz aller M├╝hen im Schnee zu ersticken; unruhig schweift er wie ortlos umher; f├╝rchtet Abort; Gef├╝hl, der Sch├Ądel zerspringe; er kann nicht liegen, denn das Bett f├╝hlt sich so bretthart an, dass die aufliegenden K├Ârperstellen unertr├Ąglich schmerzen.

Egotrophie

Abgeleitetes Bild
In der Wiederholung der ├ťberschreitung tritt Baptisia als Monist, als gewaltt├Ątiger Vereinheitlicher auf. Er findet ├╝berall den Gesichtspunkt, der ein verbindendes Prinzip darstellt. Er zwingt selbst Dinge zusammen, die nicht zusammengeh├Âren: "Jetzt w├Ąchst zusammen, was zusammengeh├Ârt."
In diesem Zusammenhang ist noch einmal die Frage der Entscheidung von Belang. Zwei Arten von Entscheidungen kann man grob auseinanderhalten: zuf├Ąllige und einmalige. Zuf├Ąllige haben keine weiterreichende Konsequenzen, einmalige jedoch bekommen den Charakter von Gesetzen, sie ziehen immer wieder gleichartige Entscheidungen nach sich. Diese Entscheidungen legen dann etwas ein f├╝r allemal fest, vergleichbar der Entstehung der Naturgesetze, die zu Beginn des Universums entstanden sind und seitdem gelten. Auch in der Entwicklung biologischer Lebensformen werden durch einmal getroffene Entscheidungen weitere Formen bestimmt. In diesem Sinne will Baptisia auch einheitliche Gesetze erlassen, die bestimmte formale L├Âsungen verbindlich machen. Alle weiteren Ereignisse sollen davon abh├Ąngig sein. Er will den Dingen einen gemeinsamen Stempel aufdr├╝cken.
Trivial-literarisch kann man sich an die Frankenstein-Erz├Ąhlung erinnert f├╝hlen: Ein Wissenschaftler, f├╝gt aus zahllosen Einzelteilen, den zusammengestohlenen K├Ârperteilen hingerichteter Verbrecher, wieder einen einzigen Menschen zusammen.
In der Leugnung seiner ├ťberschreitung entzweit und zerlegt Baptisia. Er betont den unterscheidenden Gesichtspunkt. Dabei wechselt er selber dauernd seinen Stil, seine Perspektiven, mal geh├Âren zwei Dinge zueinander, dann wieder nicht. Wie ein Cham├Ąleon wechselt er seinen Stil, seine Pers├Ânlichkeit, seine sozialen Bez├╝ge. David Byrne von den Talking Heads besingt das so: "Ich habe drei Ausweise, einen Haufen Visas, Du kennst meinen wirklichen Namen nicht, wir kleiden uns wie Hausfrauen oder wie Studenten, ich wei├č selbst nicht, wie ich aussehe" (aus: "Life During Wartime"). Er zerst├Ârt, oder besser, er destruiert das Gemeinsame, das einer Sache Ganzheitlichkeit gibt.
Man kann einen Zug der (Post-) Moderne mit dem Wort Polysemie, Viel-Sinnigkeit beschreiben. Im Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter und deren Hang (besser: Zwang) zum einen, ├╝bergeordneten Sinn, ist die Moderne gepr├Ągt vom R├╝ckzug einer einheitlichen Theorie. Statt gro├čer, alles erkl├Ąrender Modelle finden wir ein locker verbundenes Feld sich unterscheidender sozialer Erscheinungen, sich gegeneinander behauptender Einzelwissenschaften, etc.
Ein literarisches Exempel vom Zerfall der vereinheitlichenden Erz├Ąhlperspektive gibt William Burroughs in "Nova Express".
Dabei ist sein Thema einmal mehr der hermetisch abgesonderte Zirkel der Rauschgiftsucht. Eine Welt der sklavischen Abh├Ąngigkeit von einem Bezugspunkt, dem Suchtmittel. Im Gegensatz zu diesem monomanen Baptisia-Thema ist der Roman formal gepr├Ągt von einer Erz├Ąhltechnik, die Burroughs selbst als "Cut Up"-Technik bezeichnet: Stil und Tonfall ver├Ąndern sich von Zeile zu Zeile. Die Fluktuation der Erz├Ąhlform und der Motive kontrastiert die festen (inhaltlichen) Bezugsgr├Â├čen Sucht und Entw├Âhnung.

Egotrophe Symptome
Sehr gutes Erinnerungsverm├Âgen; sehr reger Verstand, v.a. wenn er die Augen schlie├čt; Gef├╝hl, die K├Ârperteile schwellen an; alles ist in Bewegung; er geht als Sieger aus Streit und Diskussion hervor.

Egolyse

Abgeleitetes Bild
Die eine Welt zerf├Ąllt in eine un├╝bersichtliche Vielzahl partikularer Welten. All das unterh├Ąlt keine Beziehungen zueinander. Eine Art babylonischer Verwirrung, ├╝berall sieht er nur Zersetzung und Zerfall. Er kann die Dinge nicht mehr unterscheiden, das eine nicht vom anderen abtrennen.
Wie endet der Versuch des Landvermessers in Kafkas Roman, zum auftraggebenden Schlossherrn zu kommen? Er wird von wichtigtuerischen B├╝rokraten auf eine groteske, nie endende Odyssee geschickt. Man kann nicht einmal mehr sicher sein, ob ├╝berhaupt eine Schlossobrigkeit existiert.

Egolytische Symptome
F├╝hlt sich geknebelt und gefesselt; verzweifelt an der Genesung; seine Gedanken wandern und er kann sie nicht fassen; er schl├Ąft mitten in der Antwort ein; Schweregef├╝hl und Schw├Ąche, die durch Ber├╝hrung eines anderen ausgel├Âst wird; kann nur Fl├╝ssigkeit schlucken.

Alterolyse

Abgeleitetes Bild
Zank und Zwist zerst├Âren das harmonische, einheitliche Bild der Welt. Die anderen sind Terroristen, die die Ordnung des Gemeinwesens st├Âren. Streng und despotisch bek├Ąmpft er diejenigen, die sich nicht seinen Zw├Ąngen unterwerfen wollen. Ein bekanntes Beispiel f├╝r die Verfolgung von solchen Menschen, die den Gedanken des All-Einen gef├Ąhrden, ist die Verurteilung des bedeutenden Denkers der Renaissance, Giordano Bruno. Bruno war deshalb f├╝r die Kirche gef├Ąhrlich, weil er unendlich viele bewohnte Welten annahm und damit die Rolle der einen, totalen katholischen Kirche relativierte. Auch erlaubte diese Annahme, nicht nur von vielen Welten im ├Ąu├čeren Sinne zu sprechen, sondern auch von vielen Bewusstseinswelten. Damit drohte der per definitionem festgeschriebene einheitliche Raum-Zeit Kosmos des Christentums gesprengt zu werden. Bruno wurde exkommuniziert und dann in die einzige Welt expediert, die im katholischen Kosmos in dem Fall noch ├╝brigblieb, und zwar, indem man ihn (geknebelt) lebendig verbrannte (Thema der Hitze!). Brunos Reaktion auf das Urteil kann man in die egotrophe Reaktionsweise von Baptisia einordnen: "Mit gr├Â├čerer Furcht verk├╝ndet ihr vielleicht das Urteil gegen mich als ich es entgegennehme." Dass Raum und Zeit keine festen Konstanten sind, die gleichf├Ârmig f├╝r ein gesamtes Universum gelten, sondern jedes System eine "Eigenzeit" - verschieden von einem relativ von ihm bewegten System hat, ist mittlerweile als Folge der Relativit├Ątstheorie Einsteins fester Bestandteil naturwissenschaftlicher Erkenntnis.

Alterolytische Symptome
Traum von Streit und Zank.

 

D. INTERPRETATION EINZELNER SYMPTOME

Kann nur Fl├╝ssigkeiten schlucken; das harte Bett (Themen 18 und 20)
Fl├╝ssigkeit ist von anderer Art als abgeschlossene feste K├Ârper. Baptisia weigert sich, andere Einheiten als die eigene anzuerkennen. Andere Einheiten au├čerhalb seiner eigenen bedeuten, dass seine Einheit nicht alles umfasst. ├ähnlich verh├Ąlt es sich mit dem harten Bett, an dem er sich wund liegt, hier sp├╝rt er seine Einzelteile. Vielleicht ist die Prinzessin auf der Erbse auch eine Baptisia-Frau.

Schwellung und Ausdehnung (Thema 17)
Entweder ein psorisches Symptom, bei dem er f├╝rchtet, die einzelnen K├Ârperteile machten sich auf Kosten der Ganzheit gr├Â├čer, oder er betont egotroph die Autonomie der einzelnen K├Ârperteile.

Ber├╝hrung durch eine Person (Thema 15)
Viele Symptome ereignen sich bei Baptisia in den ├ťberg├Ąngen von Traum oder Delirium zum Wachzustand. Der Schlaf und das Erwachen sind Bewusstseinszust├Ąnde, die ihn von au├čen ber├╝hren wie eine Person. Baptisia f├╝rchtet jede Erinnerung an diesen Abspaltungsprozess.

Das zweite Selbst (Thema 6)
Das Kinderbuch "Alice im Wunderland" des englischen Dozenten f├╝r Logik und Mathematik, Lewis Caroll, gibt - m├Âglicherweise durch einige Erfahrung im Umgang mit Pilzdrogen - einen Einblick in ein aufgespaltenes Universum ohne streng rationalen Zusammenhalt. Stattdessen kommt die intuitive Seite st├Ąrker zu ihrem Recht. In einer Episode tauchen Schnapphase (die irrationale Seite im Menschen) und Hutmacher (die rationale Seite) die fast immer schlafende (!) Haselmaus (das menschliche Bewusstsein), in eine Kanne mit hei├čem Tee, um ihren ewigen Widerspruch in der Synthese des kurzfristig wachen menschlichen Geistes aufzul├Âsen. In einer anderen Geschichte treten die Zwillinge Tweedledum und Tweedledee auf. Sie wohnen zwar in einem Haus, jeder der beiden behauptet aber, es w├Ąre nur s e i n Haus. Tweedle sagt immer das logische Gegenteil seiner "anderen H├Ąlfte". Wenn sie nicht Tee miteinander trinken, dann k├Ąmpfen sie miteinander, beide in der ewigen Furcht, die andere Seite k├Ânnte ihnen den Kopf abschlagen.

Schnee (Thema 5)
Schnee gilt im allgemeinen als ein Symbol der unber├╝hrten Reinheit.
Hier ist die M├╝he angesprochen, die das Arbeiten im Schnee bereitet, ebenso die Furcht vor dem Ersticken im Schnee, wie es Lawinenopfern droht.
Im Symptom wird ausdr├╝cklich auf das Leiden an der Hitzigkeit im Gegensatz zur frostigen Umgebung hingewiesen. Hier k├Ânnen zwei duale Momente nicht harmonisiert werden: Das vitale Prinzip der W├Ąrme und des Stoffwechsels ist unvereinbar mit der kristallinen Starre des Schnees.

 

F. DIFFERENTIALDIAGNOSE

Anacardium
Die Schwierigkeit besteht in der Abgrenzung zu Anacardium. Bei Baptisia scheint die Aufteilung in Gut und in B├Âse nicht vorzuliegen. Bei Anacardium f├╝hrt die Aufteilung der substantiellen Einheit von Geist und K├Ârper zur Aufspaltung in einen guten K├Ârper und einen b├Âsen Geist, oder umgekehrt in einen b├Âsen K├Ârper und einen guten Geist. Immer wird eines von beiden verflucht. Darum ist die Angst vor dem Tode bei Anacardium auch extrem. Die Entscheidungsschw├Ąche, die bei Anacardium vorliegt und Ausdruck des Unverm├Âgens ist, Bestimmungen anzunehmen, ist bei Baptisia nur in den Symptomen der Gleichg├╝ltigkeit angedeutet.

 

G. THOMAS VON AQUIN

Geht man mit Thomas davon aus, dass es ein h├Âchstes Wesen gibt, das im allgemeinen mit "Gott" bezeichnet wird, folgt man also Thomas┬┤ Argumentation in der 2. Frage seiner Summa Theologica und dem darin versuchten Beweis des Daseins Gottes, kommt man als n├Ąchstes zur Frage nach dem Wesen dieses Gottes. Hier tritt nun ein Dilemma auf: Die Natur Gottes wird dem Frager immer unbekannt bleiben, "denn Gott hat nie jemand gesehen" (1 Jo 4,12). Gott und seine Eigenschaften sind kein fassbarer Gegenstand, d.h. es gibt keinen Weg, positiv zu wissen, was das Wesen Gottes sei. So bleibt Thomas nur der Weg, zu untersuchen, was Gott n i c h t sei. In den Fragen 3 bis 11 versucht er also, denjenigen Pr├Ądikaten nachzugehen, die man bestimmt von Gottes Wesen ausschlie├čen kann.
In unserem Zusammenhang (Baptisia) sind zwei Ausschl├╝sse wichtig: derjenige der Zusammensetzung (Frage 3) und der Ausschluss der Vielheit (Frage 11) aus Gottes Wesen. Da Gott nicht zusammengesetzt sein kann, wird indirekt-logisch geschlossen, dass er im h├Âchsten Grade einfach ist; und da Gott nicht vieles ist, dass er Einer in h├Âchster Einfachheit ist. Einfachheit und Einheit Gottes bedingen sich dabei gegenseitig.

Das Eine (wie das Wahre und das Gute) z├Ąhlt in der aristotelisch-thomistischen Tradition zu den ontologischen Eigent├╝mlichkeiten des Seins. Es ist allem Seienden in allgemeinster Weise gemeinsam. Kein Seiendes kann es geben, das nicht eine seinsm├Ą├čige Einheit w├Ąre.
Gott unterscheidet sich durch seine Einfachheit von der Welt. Dagegen tr├Ągt die Welt die Wesensmerkmale der Zusammengesetztes. Da sie Sch├Âpfung ist, kann sie nicht die e i n e Wirklichkeit sein, denn das Verursachte hat ein von seinem Wesen getrenntes Sein.

Der 7. Artikel der 3. Frage gibt eine ├ťbersicht der thomistischen Theorie der Ganzheit: "Jedes Zusammengesetzte ist mehr als die blo├če Summe seiner Teile, so dass, was vom Ganzen gilt, nicht ohne weiteres auch von den Teilen gilt. Wo wir ein Ganzes aus ungleichen Teilen haben, ist das klar; denn kein Teil des Menschen ist der Mensch, noch ist ein Teil des Fu├čes der Fu├č. Wo wir aber ein Ganzes aus gleichen Teilen haben, mag es sein, dass manches vom Ganzen gilt, was auch vom einzelnen Teil gilt; so ist jedes Luftteilchen Luft und jedes Wasserteilchen Wasser. Aber auch hier gibt es gewisse Bestimmtheiten, die zwar vom Ganzen, nicht aber vom Teil gelten: wenn die ganze Wassermenge einen Liter ausmacht, so kann ich das nicht auch von einem Teil aussagen. So gibt es also in jedem Zusammengesetzten etwas, das nicht es selbst ist." Im Gegensatz zu Gott selber, so Thomas, ist in seiner Sch├Âpfung (als Ganzes) die Zusammengesetztheit vollkommener als die Einfachheit, weil die F├╝lle des Seins in der Sch├Âpfung durch ein Einfaches weniger verwirklicht wird als durch eine Vielheit. Dagegen ist das g├Âttliche Sein vollkommen in einem einfachen Wesen verwirklicht.

Einheit bedeutet, so Artikel 1 der 11. Frage, das Nichtvorhandensein einer Teilung. Hier ist aber nicht die Ganzheit eines K├Ârperdinges gemeint, sondern die Einheit, die aus einem K├Ârper und einer Form ein geschlossenes Wesen macht, die aus ihnen eine Natur macht. F├╝r Thomas gibt es ein ungeteiltes Sein im Menschen, eine Einheit, die sich nicht in Teile zerlegen l├Ąsst. Beim Menschen sind Leib und Seele essentiell verbunden und nicht voneinander abl├Âsbare Teile eines Ganzen. Teilen l├Ąsst sich der K├Ârper des Menschen, weil er einer unterteilbaren Gr├Â├čenordnung unterliegt. Es liegt im Wesen der Gr├Â├če, d.h. ihrer r├Ąumlichen Ausgedehntheit, dass sie ihrer M├Âglichkeit nach unterteilbar ist. F├╝r Thomas gilt somit: Das Wesen des Menschen l├Ąsst sich nicht zerst├╝ckeln. Entweder es ist eine metaphysische Einheit Mensch, oder es ist ├╝berhaupt nicht. Quantitative Einheit der Gr├Â├če bedeutet jedoch nur Ganzsein innerhalb der Gr├Â├čenordnung.

Jedes bestehende Ding, jedes Seiende hat seine Einheit. In der Philosophie der Scholastik fallen das Seiende und das Eine sachlich zusammen. Daraus folgt, dass die Aufl├Âsung der Einheit den Tod des Seienden zur Folge hat. Physischen wie psychischen Schmerz kann man als Folge der gest├Ârten Einheit deuten.
Gegenspieler der Einheit ist die Vielheit, hier im Sinne der formalen Vielfalt, des Reichtums an Auspr├Ągungen unter dem Seienden. Eine einzige neue Art bedeutet in der Natur einen qualitativen Schritt, verglichen mit den blo├č quantitativen Wiederholungen einer bekannten Art. Kennt man einen Vertreter einer uniformen Art, kennt man alle. Die Vielheit der Seinsf├╝lle beginnt jedoch mit jeder neuen Form: Diese Vielheit setzt die Einheit voraus. Das Eine ist n├Ąmlich nach der scholastischen Definition das, "was ungeschieden ist in sich und geschieden von jedem anderen".

Im Verst├Ąndnis der Scholastik liegt der Reichtum des Seins in seiner Differenzierung und in der F├╝lle seiner Formen, eine Auffassung, der man auch heute noch folgen kann.
Daraus erw├Ąchst eine f├╝r uns heute ├╝berraschende Konsequenz: Da, je h├Âher man im Naturreich hinaufsteigt, der Differenzierungsgrad und damit das Ausma├č der Individuierung zunimmt, finden wir beim h├Âchsten Naturwesen, dem Menschen nicht zwei v├Âllig gleiche. Und gibt es beim Menschen noch Individuen der selben Art, so gibt es bei den n├Ąchst h├Âheren Geistwesen, den Engeln, nur noch verschiedene Arten. Bei Gott findet sich zuletzt allein die unendliche F├╝lle des Seins, er vereinigt das Sein selbst in sich und ist damit Herr der Einheit. Die ├╝berraschende Konsequenz lautet also, dass die Einfachheit und Einheit des Seins mit der F├╝lle w├Ąchst. Je komplexer das Wesen, desto h├Âher die Einheit der gebundenen Mannigfaltigkeit: der Stein ist weniger einfach als die Pflanze, das Tier weniger einfach als der Mensch. Allein Gott hat die volle Ungeteiltheit des Seienden in seinem Sein. Gott ist ungeschieden in sich selbst, da er keine Teile haben kann; er ist geschieden von jedem anderen, denn er ist f├╝r die ganze Sch├Âpfung der "ganz andere", und neben ihm ist keiner mehr, der sich von ihm unterscheiden k├Ânnte.

 

H. ZUR SUBSTANZ

Baptisia, der wilde Indigo, galt schon lange als Mittel gegen fieberhafte Durchf├Ąlle und septische Zust├Ąnde. Neben der arzneilichen Anwendung ist Indigo ein F├Ąrbemittel f├╝r verschiedene Gewebe. Indigoblau ist die Farbe der einfachen Arbeitsuniformen.

 

Quelle:┬áChristoph┬áWeihe┬áHom├Âopathische Arztpraxis
D├╝rener Str. 320,┬á50935┬áK├Âln

Literatur
LdS Bauer et al., Lexikon der Symbole, M├╝nchen 1987
A Allen T.F., The Encyclopedia of pure Materia Medica, New Delhi 1988, Band 2
He Hering Constantin, The Guiding Symptoms of our Materia Medica, New Delhi 1989, Band 2
ST Die Deutsche Thomas Ausgabe, Verlag A. Pustet, Salzburg
Bowie, M., Lacan, Steidl Verlag, G├Âttingen 1994